Workshop A

Eine sorgende Pflege und eine achtsame Symptombeobachtung als Beitrag zur Gesunderhaltung

Referentin: Dr. phil. Helga Schlichting
Sonderpädagogin, Förderschullehrerin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Förderpädagogik der Universität Leipzig

Menschen mit schwerer und mehrfacher Behinderung sind häufig von mehreren miteinander wechselwirkenden Erkrankungen betroffen, die das Wohlbefinden gravierend beeinflussen und zu (chronischen) Schmerzen und weiteren schweren Symptomen führen können. Eine fachkompetente Pflege, die sowohl Grundbedürfnisse befriedigt als auch gewissenhaft Maßnahmen der Prophylaxe und Behandlungspflege einsetzt, ist deshalb für diese Menschen grundlegend.

Oft sind das Erkennen von Symptomen und die Diagnose von Erkrankungen erschwert und Behandlungen werden sehr verspätet eingeleitet. Pflegende müssen deshalb genau über häufige chronische Erkrankungen, deren Ursachen und Äußerungsformen bei Menschen mit schwerer und mehrfacher Behinderung Bescheid wissen. Außerdem ist es wichtig, dass sie Veränderungen in den Lebensäußerungen und im Verhalten genau beobachten und Schlussfolgerungen über mögliche körperliche Ursachen ziehen können.

Besonders belastend sind Symptome wie (chronische) Schmerzen und Atembeeinträchtigungen. Einerseits schränken sie die Lebensqualität der Menschen gravierend ein, andererseits sind sie oft Ausdruck schwerwiegender Erkrankungen. Sie sollten unter Berücksichtigung der individuellen (Kranken-)Geschichte von erfahrenen Bezugspersonen und mittels spezieller Beobachtungsinstrumente beurteilt werden.

Im Workshop werden entsprechende Beobachtungsbögen sowie deren Anwendung vorgestellt. Außerdem werden einige praktische Hilfen bei häufigen körperlichen Beschwerden bzw. chronischen Erkrankungen insbesondere Möglichkeiten zur Atemunterstützung und Schmerzreduktion gegeben.

 

Workshop B

Salutogenese als Brücke zwischen Leiderfahrung und Handlungsbefähigung

Referent: Rüdiger-Felix Lorenz
Niedergelassen seit 1989 in eigener Psychotherapeutischer Praxis und Leiter des Zentrums für Gesundheitsförderung in Hannover. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie in Einzel-, Paar-, Gruppenberatung bzw. Therapien, Supervision, Coaching

Jeder Mensch weiß es, jeder Mensch hat es schon erfahren: Selbstgestaltungs-potenziale und Selbstgestaltungskräfte werden in einer Atmosphäre der Zuversicht und der Ermutigung in vertrauensstiftender Gemeinschaft zur Förderung des Selbstvertrauens freigesetzt. In der Gestaltung des sozialen und sinnstiftenden Miteinanders – sind wir doch koexistierende Wesen – liegt der Schlüssel für soziale Teilhabe, die, vor allem in herausfordernden Lebenssituationen zur Erweiterung gesunder Handlungsspielräume im Erleben verstanden und bestärkt zu werden, hilfreich wirkt.

In diesem Workshop wollen wir uns bei aller Leiderfahrung den gesunden Faktoren und Potenzialen widmen, die sowohl die Betroffenen und die Angehörigen als auch die Betreuerinnen und Betreuer stärken, um allen Beteiligten ein Gespür dafür zu vermitteln, wie es sich anfühlt verstanden zu werden, motiviert mit Herausforderungen des Lebens umzugehen und im engagierten Handeln einen erfahrbaren Lebenssinn zu gestalten

 

Workshop C

Alles dufte! Einführung in die Aromatherapie für Menschen mit Behinderung

ReferentInnen: Anika Lange und Christoph Mikolaschek
AromatherapeutIn, AltenpflegerIn

Seit Jahrhunderten ist dem Menschen die Wirkung von Pflanzen bekannt. Die Aromatherapie gehört heutzutage zu den am besten verträglichen Behandlungsmethoden. In diesem Workshop erhalten sie einen Einblick in die verschiedenen Wirkungsweisen von ausgewählten ätherischen Ölen und wie sie gemischt werden können.

Sie erfahren:

  • Wieso viele Menschen mit einer geistigen Einschränkung gut auf die haptische und olfaktorische  Anwendung mit ätherischen Ölen reagieren.
  • Welche Anwendung in der Aromapflege zugelassen sind.
  • Risiken bei Erkrankungen wie Epilepsie.
  • Wie sie mit ätherischen Ölen die Haut optimal pflegen können.
  • Im Anschluss widmen wir uns einer Handmassage mit ätherischen Ölen.

 

Workshop D

Kinaesthetic als Aktivierung für Klienten und Entlastung für Assistenten

Referentin: Claudia Niemann
Krankenschwester, VIV Arte® Fachlehrerin für kinästhetische Mobilisation, Trainerin für Sturzprophylaxe DTB, Trainerin für Integrative Validation nach Richard®, Deggendorf

Leben ist Bewegung!

Bewegung bedeutet Autonomie und Selbstbestimmtheit. Bewegungsmangel hat massive Folgen und verursacht nicht selten Schäden wie z. B. Kontrakturen, Dekubitus… Bewegung bedeutet Verhinderung von Folgeerkrankungen und Pflegeabhängigkeit.

Heben und Ziehen unterstützt den Bewegungsmangel beim Pflegeempfänger und verursacht Hebeschäden beim Pflegenden. Deshalb ist es wichtig Ihre Klienten von A nach B zu bewegen und  vorhandene Ressourcen zu erkennen und zu nutzen. Es ist wichtig dass Sie Positionswechsel mit viel Bewegung durchführen und Positionen gestalten können, die ebenfalls Bewegung unterstützen und nicht behindern. Sie lernen gemeinsam mit dem Klienten Bewegung wahrzunehmen, anzupassen und gemeinsame Bewegungskompetenzen zu entwickeln.

Im Workshop bekommen Sie Einblick in die Grundsätze der kinästhetischen Mobilisation. Sie erfahren in praktischen Übungen, was es bedeutet Körperteile einzeln und nacheinander zu bewegen, wie Sie Gelenke beweglich halten und die Muskulatur nutzen.

Inhalte:

  • Bewegen versus Heben
  • Auswirkung von Ziehen und Heben auf den Muskeltonus
  • Körperteile einzeln Bewegen, Gewicht verlagern
  • Bewegen und Bewegungsförderungsmaßnahmen im Bett
  • Gestalten von Positionen
  • Positionswechsel verbunden mit viel Bewegung
  • Möglichkeiten der Dekubitus und Kontrakturprophylaxe integriert in die Versorgung
  • Rückenschonendes Arbeiten

 

Workshop E

Wie kleinste Bewegungen, gute Positionierungen und eine sinnvolle Hilfsmittelversorgung ihren Beitrag zur Gesundheit leisten

Referentin: Heidi Pittner-Esser
Physiotherapeutin, Bobath-Lehrtherapeutin, Kurszentrum Köln

Wir alle verändern bewusst oder unbewusst unzählige Male am Tag und in der Nacht unsere Körperposition.

Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Störungen des Bewegungsapparates oder Menschen mit schweren Mehrfachbehinderungen verbringen viele Stunden des Tages in liegenden oder sitzenden Positionen. Sie haben kaum oder keine Möglichkeit, ihre jeweilige Körperhaltung eigenständig zu verlagern oder zu verändern. Mit fortschreitendem Alter verringert sich zudem die Beweglichkeit.

Inadäquate Positionierungen, ungeeignete Rollstühle oder Stehhilfen beeinträchtigen vorhandene Funktionen und somit die Gesundheit wie auch die Lebenswelt der betroffen Menschen.

Der Workshop gibt einen Überblick über die Bedeutung und die Auswirkungen von Bewegungseinschränkungen in sitzendenden und stehenden Positionen.

Ziel ist es, Ihren Blick für die Zusammenhänge von Bewegungsfähigkeiten und Beeinträchtigungen zu schulen und Ihnen Anregungen und individuelle Strategien zu vermitteln.

Gemeinsam möchte ich mit Ihnen Sitz- und Stehpositionen in Rollstühlen und Stehhilfen näher betrachten und Ihnen mögliche Alternativen aufzeigen.

Bitte bequeme Kleidung und die Bereitschaft zu körperlicher Berührung mitbringen.

 

Workshop F

Rechtssicher – Mit veranstwortung pflegen und unterstützen. Rechtliche Grundlagen in der Gesunderhaltung und -unterstützung

Referentin: Andrea Siemen
Volljuristin, selbstständig, Rechtsberatung, Angehörigenberatung bei der Lebenshilfe München

Ausgehend von dem Vortrag „Rechtssicher – mit Verantwortung pflegen und unterstützen“, werden rechtliche Aspekte in der Gesundheitssorge und -assistenz besprochen. An der Schnittstelle von Medizin und sozialer Betreuung gibt es häufig rechtliche Fragen:

  • Welche Vorschriften gibt es und wie werden sie im Alltag umgesetzt?
  • Wie sieht es aus mit Aufsichtspflicht und Haftung?
  • Wer Menschen mit Behinderung unterstützt, möchte sich in den Graubereichen von Medizin und Assistenz rechtlich sicher fühlen.
    Wer darf z.B. absaugen, Medikamente verabreichen?
  • Was passiert, wenn Betreute nicht zum Arzt wollen, wie ist die rechtliche Situation bei einer OP-Entscheidung, wie verhält man sich richtig, wenn Medikamente verweigert werden?

Wir bearbeiteten typische Konstellationen aus rechtlicher Sicht auch anhand der Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.