Hintergrund

(Junge) Menschen mit Behinderung, die ausziehen möchten, stehen vor vielen Herausforderungen: Wie muss mein zu Hause gestaltet sein, damit es meinem Unterstützungsbedarf entspricht? Muss ich jetzt alles selber machen? Wer unterstützt mich, wenn ich Hilfe brauche? Werde ich mich mit meinen neuen Nachbarn verstehen und verstehen sie mich?

Diese und andere Fragen zu klären, ist für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf besonders wichtig, um selbstbestimmt Wohnen zu können. Antworten auf diese Fragen sind zudem Voraussetzung für die Schaffung individueller, passgenauer Wohnangebote in der Region.

Es ist wichtig, (junge) Menschen mit Behinderung bei der Verwirklichung ihrer Zukunftsvorstellungen zu begleiten und Prozesse im Sozialraum anzustoßen und weiterzuentwickeln, die ein selstbestimmtes Wohnen unter nichtaussondernden Bedingungen ermöglichen.

Häufig sind auch für Eltern viele Fragen und Sorgen mit dem Auszug des erwachsenen Kindes verbunden: Wird unser Kind in einer eigenen Wohnung zurechtkommen? Wird die Kooperation zwischen den verschiedenen Unterstützern und Diensten funktionieren?

Wenn der Sohn oder die Tochter selbstständig – mit außerfamiliärer Unterstützung – den Alltag bewältigt, ist es nie so, wie es die Eltern selbst täten und lange getan haben. Diese Veränderung ist oftmals mit Sorge und Verunsicherung über die ausreichende Versorgung des Kindes verbunden. Es ist wichtig, das Vertrauen der Eltern in die neue Wohnform zu stärken, damit sie ihr Kind auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Wohnen bestmöglich unterstützen können.

Mit dem Projekt “Selbstbestimmt Wohnen in NRW” möchte der lvkm nrw Menschen mit Komplexen Behinderungen und ihre Familie in der Lebensphase des Auszugs aus dem Elternhaus oder einer stationären Wohnform unterstützen und auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben begleiten.

 

Projektziele

Ziel des Projektes ist es, ein vielfältiges Unterstützungsangebot für Menschen mit Behinderung und ihre Familien auf Landesebene zu schaffen, um sie frühzeitig über Möglichkeiten und Modelle zum selbstständigen Wohnen zu informieren und eigene Ideen und Vorstellungen zu Wohnformen anzuregen. Im Vordergrund dieses träger- und einrichtungsunabhängigen Angebots sollen dabei die Wohnbedürfnisse von Menschen mit Komplexen Behinderungen und ihren Familien stehen.

Insbesondere diese Zielgruppe hat behinderungsbedingt besondere Anforderungen an Wohnangebote und das Wohnumfeld, die in NRW bisher nur selten erfüllt werden und daher die Initiative der unmittelbar Betroffenen herausfordert. Die Initiative lokaler Standorte, konkrete Wohnangebote zu entwickeln und durchzuführen, möchte der lvkm nrw mit der Bereitstellung von begleitenden Konzepten und Materialien unterstützen.

 

Projektstandorte

An zehn Standorten in NRW soll modellhaft erarbeitet werden, welche Kompetenzen zur Realisierung für das selbstständige Wohnen für Menschen mit Komplexem Unterstützungsbedarf sowie für ihre Familien vorliegen müssen. Das bezieht die Kompetenzen der zukünftigen BewohnerInnen sowie die Rolle, Aufgabe und Haltung der Angehörigen ein, aber auch die Sicherstellung von Betreuungsangeboten und die Anforderungen an den Sozialraum.

Wohnvorbereitung für Menschen mit Behinderung:
Mit diesem Bildungsangebot sollen (junge) Menschen mit Behinderung auf ein selbstständiges Wohnen vorbereitet werden. Es soll den Teilnehmenden zudem ermöglichen, Wünsche und Vorstellungen für das eigene Wohnen zu entwickeln sowie Möglichkeiten zu deren Realisierung kennenzulernen und zu erproben.

Elternbegleitung:
Eltern von Kindern mit Behinderung sollen vertrauensbildende Erfahrungen ermöglicht werden. In Informationsveranstaltungen, Elternabenden, Kursen etc. sollen die Sorgen und Ängste der Eltern aufgegriffen und bearbeitet werden, sodass sie die neu gewählte Wohn- und Lebensform ihres Kindes zuversichtlich begleiten und mitgestalten können.

Kooperation im Sozialraum:
Wohnen im Sozialraum ist nur vernetzt zu verwirklichen. Deshalb sollen Netzwerke für die lokalen Wohninitiativen u. a. mit der Behinderten(selbst)hilfe, den Förderschulen, der Wohnungswirtschaft und den Leistungsanbietern geschaffen und ausgebaut werden.

 

Koordinierungsstelle

Die Koordinierungsstelle des lvkm nrw begleitet und unterstützt die Arbeit der zehn Projektstandorte vor Ort. Das Unterstützungsangebot umfasst dabei u. a. folgenden Leistungen:

  • Entwicklung und Bereitstellung von Konzepten, Arbeitseinheiten und Materialien zur Durchführung von Wohnvorbereitungsangeboten
  • Bereitstellung von Informationen für Eltern
  • Initiierung und Begleitung von Peer-Beratungsprozessen zur Förderung der aktiven Selbsthilfe
  • Beratung bei der Entwicklung und Realisierung von Wohnangeboten
  • Unterstützung bei der örtliche und überörtlichen Vernetzung
  • Organisation von regionalen und überregionalen Veranstaltungen zum Thema Wohnen
  • Finanzielle Unterstützung für die Arbeit der Projektstandorte vor Ort
  • Information der Projektbeteiligten durch die Internetseite des lvkm nrw

Die Koordinierungsstelle wird zudem von einer Steuerungsgruppe unterstützt, die durch ExpertInnen aus verschiedenen Bereichen (z. B. ExpertInnen in eigener Sache, Fachleute aus Politik und Verwaltung) gebildet wird. Dieses beratende Gremium soll Expertise auf Landesebene zusammentragen und für die Standorte nutzbar machen.

 

Projektlaufzeit

Mai 2017 bis April 2020

 

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